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Die Messung - Bergbau in Sulzbach-Rosenberg

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„Wenn’s schmilzt, is’ zu hoaß“ – Eine wissenschaftliche Erhebung
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Die Messung
 
In der Forschungsabteilung der Maxhütte herrschte Aufbruchstimmung. Man tüftelte an Spezialstählen und revolutionierte mit dem OBM-Verfahren die Welt der Metallurgie. Doch Theorie und Praxis trennten in Sulzbach-Rosenberg oft Welten – oder zumindest eine dicke Schicht Ruß.
 
Ein Ingenieur, sprachlich wohl aus dem Norden, wollte ganz genau wissen, wie heiß der Stahl in einer bestimmten Situation war. Er stellte ein hochmodernes Messgerät in der Nähe des Konverters auf, dort wo es rauchte und stank und manchmal auch flüssiges Eisen spritzte.  Dort erklärte er der Mannschaft lange und fachlich präzise, wie das Gerät funktionierte. Und was man damit machen könne, wenn die Arbeiter es nur richtig bedienen würden.

Der alte Ofenmann hörte eine Weile stumm zu, spuckte aus und sagte:
„Wenn’s blinkt, is’ hoaß. Wenn’s schmilzt, iss zu hoaß. Und wenn as Kabel wegbrennt ist aus“. Das gefiel dem Herrn gar nicht.

Die Messung war schnell beendet. Der Herr Diplomingenieur murmelte was von „blödes Volk“ und ließ seinen Gehilfen das Gerät wieder einpacken. Ganz aufgegeben hatte er aber noch nicht: Als er am nächsten Tag wiederkam hatte er den Meister als Verstärkung – und vielleicht auch als Übersetzer dabei.

© Konrad Pilhofer 2026
Abriss OBM-Konverter 2019_11_06_8603b. Bild:  rpr RuthenbergAnmerkung:

Das OBM-Verfahren (Oxygen-Bodenblasen-Maxhütte) ist das technologische Herzstück der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg und eine der bedeutendsten deutschen Erfindungen in der Stahlindustrie der Nachkriegszeit.

  • In der Blütezeit ab den 1970er Jahren betrieb die Maxhütte drei OBM-Konverter mit einer Kapazität von jeweils etwa 60 bis 70 Tonnen pro Charge.
  • Mit der endgültigen Stilllegung der Produktion am 24. September 2002 erloschen auch die OBM-Konverter in Sulzbach-Rosenberg.
  • Im Jahr 2019 begann der Rückbau des Stahlwerks, womit das letzte existierende OBM-Stahlwerk Europas verschwand.
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