Bayerns letzter Hochofen als Monument der Industriegeschichte
Der Hochofen der Maxhütte: Bayerns letzte Kathedrale der Arbeit
Der Hochofen in Sulzbach-Rosenberg ist weit mehr als nur eine rostige Stahlkonstruktion. Er ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Stadt und ein Monument von europäischem Rang. Als Herzstück der ehemaligen Maxhütte erzählt er die Geschichte von über 150 Jahren bayerischer Industriekultur, technischer Innovation und dem tiefgreifenden Strukturwandel der Region.
Ein technisches Juwel von europäischem Rang
Der heute erhaltene Hochofen III (errichtet 1957/58) ist der letzte seiner Art in Bayern. Was ihn für Technikbegeisterte und Historiker so besonders macht, ist seine Authentizität. Während moderne Werke hochgradig automatisiert sind, blieb in Sulzbach-Rosenberg vieles ursprünglich:
- Manuelle Steuerung: Das Winderhitzer-System (die sogenannten Cowper) wurde bis zum Schluss von erfahrenen Mitarbeitern von Hand bedient.
- Seltene Technik: Er verfügt über eine seltene Setzkübelbegichtung via Vertikalaufzug und eine charakteristische offene Wasserkühlung.
Integriertes Hüttenwerk: Die Maxhütte war ein sogenanntes integriertes Hüttenwerk. Das bedeutete: Vom Erzabbau über die Verhüttung bis zum fertigen Stahlrohr erfolgte die komplette Produktionskette an einem Standort.
In Spitzenzeiten arbeiteten hier mehrere Hochöfen sowie Kokerei, Stahlwerk, Walzstraße und Rohrproduktion als geschlossener industrieller Organismus.
Meilensteine der Geschichte- 1864: Der erste Hochofen wird „angeblasen“. Benannt nach König Maximilian II., beginnt hier der Aufstieg zum wirtschaftlichen Zentrum der Oberpfalz.
- Der Standort Rosenberg war strategisch gewählt: Eisenerzvorkommen lagen unmittelbar vor Ort, Bahnanschluss und Weiterverarbeitung befanden sich auf engem Raum.
- Innovation: In der Maxhütte wurde das weltweit bedeutende OBM-Verfahren (Oxygen-Bottom-Maxhütte) entwickelt, bei dem Sauerstoff durch den Boden des Konverters geblasen wird.
- Montan-Mitbestimmung: Die Maxhütte war das letzte Unternehmen Bayerns, das der besonderen Montan-Mitbestimmung unterlag – ein Symbol für die starke Stellung der Arbeitnehmerschaft („Hütterer“).
- 23. September 2002: Der letzte Abstich. Nach fast 150 Jahren endet die konventionelle Stahlerzeugung in Bayern endgültig.
Der Hochofen heute: Denkmal und Mahnmal
Nach dem Ende der Stahlproduktion blieb der Hochofen als geschütztes Baudenkmal erhalten, während weite Teile des Werksgeländes zurückgebaut wurden.
Aktueller Status (Stand 2026)
Die Situation bleibt dynamisch und komplex:
- Besichtigung: Da das Gelände als Industrieruine gesichert werden muss und sich teilweise in Privatbesitz befindet, ist der Hochofen im Inneren nicht frei zugänglich. Eigenmächtiges Betreten ist wegen Einsturzgefahr untersagt.
- Beste Aussicht: Der sanierte Schlackenberg bietet mit seinem Info-Pavillon und Lehrpfad den besten Blick auf die beeindruckende Industriekulisse.
- Das Ende des Rohrwerks: Im September 2025 musste auch das eigenständige Rohrwerk Maxhütte nach Insolvenz schließen, was das endgültige Ende der industriellen Ära an diesem Standort markierte.
Erleben und Erinnern
Wer in die Welt der „Hütterer“ eintauchen möchte, findet im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg eine eigene Abteilung zur Maxhütte. Mit Modellen und Exponaten wird dort die Funktionsweise des Hochofens anschaulich erklärt.
Heute dient die morbide Ästhetik des Geländes oft als faszinierende Filmkulisse oder als stimmungsvoller Ort für Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt am Hochofen-Plaza.