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Sulzbachs größte Wärmeresource ?, erzählt von Helmut Heinl - Bergbau in Sulzbach-Rosenberg

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Bergbau in Sulzbach-Rosenberg
Helmut Heinl Autorenseite
"Leben in der Bergmannssiedlung"

Sulzbachs größte Wärmeresource ?

Die  größte Bergbauaktivität in unserer Stadt war das Abteufen des St. Anna  Schachtes und das Auffahren der Richtstrecke von dort nach Großenfalz.  Das ist eine über 3 km lange „Röhre“ in ca. 100 m Tiefe, in den festen  Malmkalk gebohrt und gesprengt.

Nach  Schließung des Sankt-Anna-Schachtes, im Jahr 1974, wurden die Dammtore  an beiden Enden der Richtstrecke für immer geschlossen. Die Pumpen  wurden abgeschaltet und ausgebaut. Das gesamte Bergwerksgebäude von  Großenfalz bis unter den Lobenhof lief innerhalb weniger Wochen voll  Wasser. Da die Verbindung zwischen Großenfalz und dem St. Anna Schacht  im stabilen Malmkalk aufgefahren und größtenteils mit Spritzbeton  ausgekleidet wurde, ist sie – wie eine unterirdische Höhle im Kalk –  unverändert stabil. Das war Grundvoraussetzung, denn in dieser Röhre  erfolgte der gesamte Transport von Mannschaft, Erzen und Material  zwischen Großenfalz, Klenzeschacht und dem St. Anna Schacht. Jeder  Schaden an dieser Verbindung hätte gravierende wirtschaftliche  Auswirkungen für die Erzproduktion gehabt. Alle Bergsenkungen, die mit  der Ausbeutung der Erzfelder nach über Tage entstanden, hatten dort  unten keine Auswirkungen.


Das  Baugebiet Katzenberg war bei Kartenerstellung noch nicht vorhanden.  Quelle: Markscheiderei der Maxhütte; die Jahreszahlen zeigen das Ende  des jeweiligen Abbaus.

In  dieser Röhre befinden sich Zehntausende Kubikmeter Wasser, die als  unbegrenzt nutzbarer Wärmespeicher verwendet werden können. Bei einer  Länge von ca. 3600 Meter mit einem Querschnitt von mehr als 10 m² ergibt  sich eine Speichermenge von mindestens 36.000 cbm Wasser. Entnimmt man  das Wasser an einer Stelle, kühlt es mit einer Wärmepumpe ab und leitet  es einige 100 m entfernt wieder ein, funktioniert das wie ein  Grundwasserbrunnen. In der „Röhre“ entsteht ein Kreislauf, der permanent  Erdwärme aufnimmt und damit als Speichermedium dient. Unsere Stadt hat  mit diesem verborgenen Relikt aus der Bergbaugeschichte einen riesigen  Speicher, der einmal angezapft, unbegrenzt Erdwärme liefern kann.
Durch  die riesigen Dimensionen ist man nicht darauf angewiesen,  wasserführende Schichten zu finden, oder in den Grundwasserspiegel  einzugreifen.

Natürlich ist das Anzapfen dieser Ressource mit Aufwand verbunden. Es ist zu prüfen, ob das ca. 8 – 12°A  warme Wasser  verwendet werden kann. Dazu sind bergrechtliche und  wasserrechtliche Genehmigungen erforderlich. Die Röhre muss von über  Tage eingemessen und angebohrt werden. Dazu wurden genaue Pläne beim  Bergamt abgeliefert, die von den Markscheidern durch ZulegerisseB   präzisiert wurden. Sie sind so genau, dass man bei einem  Bergwerksunglück die Verschütteten mit einer punktgenauen  Rettungsbohrung hätte bergen können.C
Die  Aufschlussarbeiten sind aber keine Geothermiebohrungen, die evtl. mit  Risiken verbunden sein könnten. Es wird einfach der vorhandene  „Speicher“ angezapft und das im Überfluss vorhandene Wasser genutzt. Das  Risiko liegt vor allem in der Qualität des Wassers.D   Die Bohrarbeiten kosten zunächst einmal viel Geld. Ist aber der  Wärmespeicher erst einmal angezapft, und mit einer großen Wärmepumpe  nutzbar gemacht, lassen sich damit große Neubaugebiete umweltfreundlich  erwärmen. Selbst gering temperiertes Wasser kann damit in  Niedertemperatur-Heizanlagen, wie sie in modernen Häusern üblich sind,  Heizungsvorlauftemperaturen von 40 bis 45 Grad erreichen.“ Die Nutzung  einer Wasser-Wärmepumpe ist hoch effizient. Vor allem wenn sie mit immer  gleich bleibender Wassertemperatur gespeist wird. Nur die Saugpumpe und  Wärmepumpe müssen betrieben werden. Dies erfordert etwa ein Fünftel der  Heizenergie, die aus dem Grubenwasser gewonnen wird. Das Fraunhofer  Institut München spricht in einem Podcast von „Ewigkeitsnutzen statt  Ewigkeitslasten“.

Es  wäre also wert, so ein Projekt ergebnisoffen zu prüfen, denn Erdwärme  ist emissionsfrei und wird unendlich kostenlos zur Verfügung stehen.

[A] Eingeleitetes Grubenwasser wurde 1960 mit 10 – 12 ° angegeben. Gutachten Bay. Landesamt f. Wasserversorgung u.a. vom 5.7.1960.
[B] Zusätzliche Handzeichnungen mit Maßen.
[C] Krampfl Max, Berg-Vermessungsingenieur hat diese Pläne unter dem Markscheider Dr. Eckmann angefertigt.
Die Bergwerksleitung hatte diesbezügliche Anfragen an das Bergamt zu beantworten.
[D] Grubenwässer aus Erzfeldern enthalten gelöstes Eisen.

© Helmut Heinl 1/2023
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